Altlastensanierung Jagdschiessanlage Au in Embrach

Die Jagdschiessanlage Au in Embrach liegt in einer geschützten Auenlandschaft. Sie muss wegen zu hoher Schadstoffbelastungen saniert werden und wird spätestens Ende 2024 ausser Betrieb genommen. Nach Abschluss der Sanierung gehören die Tössauen wieder ganz der Natur.  

Sanierung

In der Jagdschiessanlage Au in Embrach absolvieren Zürcher Jägerinnen und Jäger seit 1965 das obligatorische und freiwillige Schiesstraining. Ebenso wurde die Anlage von Sportschützinnen und Sportschützen zum Tontaubenschiessen genutzt. Der rund 50-jährige Schiessbetrieb hat auf dem Areal seine Spuren hinterlassen: Im Boden haben sich Schadstoffe wie Blei und PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) abgelagert. Die in einer mittlerweile bundesrechtlich geschützten Auenlandschaft gelegene Anlage muss deshalb saniert werden.

Altlasten aus früherem Schiessbetrieb

Während Jahrzehnten wurde in Embrach mit Bleischrot auf Wurftauben geschossen. Ebenso enthielten die Wurftauben Mengen am krebserregenden Bindemittel PAK, die über den heutigen Grenzwerten liegen. So konnten sich diese Schadstoffe über die Jahre im Boden der Jagdschiessanlage Au ablagern. Die ausführlichen Voruntersuchungen des Gebiets haben ergeben, dass eine Fläche von rund 9 Hektaren saniert werden muss. Die Schadstoffe befinden sich oberflächlich im Boden. Mit einem Abtrag des Erdreichs von 20-80 cm im gesamten Projektgebiet der Jagdschiessanlage werden die schädlichen Substanzen entfernt.

Regional aufbereitet und rezykliert

Das belastete Erdreich wird mit Baggern ausgehoben, auf Lastwagen abtransportiert und in der Region in darauf spezialisierten Anlagen gereinigt, getrennt und zu Recyclingbaustoffen weiterverarbeitet. Der geringe Anteil an Substanzen, die nicht wiederverwertbar sind, wird fachgerecht entsorgt.  

Waldrodungen notwendig für Abtragung des Bodens

Um den Boden abtragen zu können, muss ein grosser Teil des Waldes im Projektgebiet gerodet werden. Wertvolle Einzelbäume bleiben nach Möglichkeit stehen. In der Töss selbst besteht kein Sanierungsbedarf. Überreste von Wurfscheiben, die noch im Fluss liegen, werden jedoch eingesammelt.  

Sanierung in zwei Etappen

Um die vielfältige Flora und Fauna auf dem Areal der heutigen Jagdschiessanlage Au möglichst vollständig zu erhalten, wird die Sanierung in zwei Etappen durchgeführt. So können sich die dort ansässigen, seltenen Pflanzen und Tiere zwischen den beiden Etappen auf dem bereits sanierten Teil des Areals wieder etablieren, bevor die zweite Etappe startet. Parallel zur ersten Sanierungsetappe kann der Schiessbetrieb der Kugelanlagen in stark reduzierter Form aufrechterhalten werden, bis die Anlage spätestens Ende 2024 komplett stillgelegt wird. Seit Ende 2019 wird nicht mehr auf Wurftauben (Tontaubenschiessen) geschossen. Die Zürcher Jägerinnen und Jäger absolvieren nach der Stillegung der Anlage in Embrach ihr obligatorisches und freiwilliges Schiesstraining in der neuen Jagdschiessanlage Widstud in Bülach.

Das Transportkonzept

Das abgetragene, belastete Erdreich wird mit Lastwagen abtransportiert. Während der ersten Sanierungsetappe führt ein Transportweg durch Freienstein-Teufen. Von Herbst 2020 bis Sommer 2021 werden dort pro Tag etwa fünf Lastwagen hin- und zurückfahren. Auf den Schulbetrieb wird wenn immer möglich Rücksicht genommen. Der grösste Teil des Erdreichs fällt am südlichen Tössufer, auf der Seite der Jagdschiessanlage an und wird über die Hauptstrasse in Embrach abtransportiert. In der ersten Etappe werden dafür durchschnittlich pro Tag 10 bis 15 Hin- und Rückfahrten nötig sein. In der zweiten Etappe sind es noch sechs bis acht.

Ziel der Sanierung

Die national geschützten Tössauen werden von den Altlasten des Schiessbetriebs befreit. Das Areal wird rekultiviert und bleibt künftig der Natur vorbehalten – so, wie es in dieser Naturschutzzone vorgesehen ist. Jägerinnen und Jäger trainieren dann in der neuen Jagdschiessanlage Widstud in Bülach.

Für konkrete Fragen zu den Sanierungsarbeiten (Transporte, Aushub etc.) können Sie sich gerne an den zuständigen Unternehmer werden.

Kontakt

Eberhard Bau AG / Eberhard Recycling AG
Herr Ursin Ginsig
Gesamtprojektleiter

Zeitplan

Die Zeitfenster für die verschiedenen Sanierungsschritte richten sich nach den gesetzlichen Bestimmungen für Eingriffe in die Natur. Dazu gehören die Rodungszeiträume, die Fischschonzeit oder die Vogelbrutzeit. In der zweiten Hälfte der ersten Etappe laufen die Sanierungsarbeiten parallel zum reduzierten Schiessbetrieb, natürlich mit allen nötigen Sicherheitsvorkehrungen für das Baupersonal. Die Dauer der Sanierungspause ist abhängig von der Regeneration der Natur. Wenn die gewünschte Entwicklung erreicht ist, kann die zweite Sanierungsetappe starten. Spätestens Ende 2024 wird der Schiessbetrieb vollständig eingestellt. Der Zeitpunkt der Stilllegung der Anlage hängt davon ab, wann die neue Jagdschiessanlage in Bülach ihren Betrieb aufnehmen kann und erfolgt nach Möglichkeit schon vor Ende 2024.  

Zahlen und Fakten

  
Sanierungsfläche9 Hektaren
rund 50% der Sanierungsfläche ist Wald, der gerodet und wieder aufgeforstet wird
AltlastenBlei und PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe)
Erdreich, das entfernt wirdrund 22’500 m3, entspricht der Füllung von rund 9 olympischen Schwimmbecken
RekultivierungDie Fläche des bestehenden Flachmoors wird durch die Rekultivierung annähernd verdreifacht.
BauherrschaftBaudirektion Kanton Zürich
Planung und Ausführung SanierungBasler und Hofmann, Eberhard Unternehmungen
Planung und Ausführung RekultivierungFornat AG, Naturplan
Kosten
rund 14 Mio. Franken
rund 40 Prozent gedeckt durch Fonds des Bundes für Altlastensanierungen (VASA-Fonds).  

Endzustand

Eingebettet in einem nationalen Auenschutzgebiet, wird die sanierte Fläche der Jagdschiessanlage künftig der Natur vorbehalten sein. Sie wird damit in die bestehenden wertvollen Lebensräume mit Mooren und Wasserläufen integriert. Ein vielfältiges Nebeneinander von trockenen und feuchten Standorten wird entstehen, das beste Voraussetzungen für eine hohe Biodiversität bietet. Ob Hangried, Pfeiffengraswiesen oder Halbtrockenrasen: Besonders gefährdeten Arten wie Orchideen, Libellen und Amphibien finden hier ein Zuhause.  

Naherholung an der Töss

Der grösste Teil der ehemaligen Jagdschiessanlage Au steht unter Schutz, ist also der Natur vorbehalten und kann nicht frei betreten werden. Speziell für die lokale Bevölkerung ist jedoch ein Bereich an der Töss geplant, wo Naherholungssuchende baden und picknicken können. Hier werden sie die Schönheiten der Tössauen geniessen können und vom Weg aus Einblicke in die wiederhergestellten Lebensräume des Gebiets erhalten.

Natürliche Regeneration

Gerodete Waldflächen werden teils naturnah aufgeforstet, beispielsweise mit seltenen einheimischen Baumarten, teils bewusst der Natur überlassen. So können sie sich ganz natürlich regenerieren. Naturnahe Wälder mit viel Totholz weisen eine hohe Biodiversität auf und sind damit besonders wertvolle Lebensräume.

Gefährdete Tier- und Pflanzenarten, die es zu schützen gilt

Sie finden im rekultivierten Areal ideale Bedingungen, um sich niederzulassen und tragen zur Biodiversität der Region bei.

Wiederherstellung und Ersatz geschützter Lebensräume

Das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG) verlangt, dass Eingriffe in schützenswerte Lebensräume oder geschützte Landschaften kompensiert werden. Dies gilt bei Altlastensanierungen genauso wie bei Bauvorhaben. Ziel dieser Regelung ist es, die ökologische Gesamtbilanz im Gleichgewicht zu halten. Wiederherstellung und Ersatz für einen Eingriff sollen dabei dem verlorenen Lebensraum entsprechen und möglichst nah am Ort des Eingriffs erfolgen.

Ausgleich der Eingriffe durch die Altlastensanierung

Im Falle der Altlastensanierung der Jagdschiessanlage sind Eingriffe in über lange Zeiträume entstandene Wälder und Moorflächen unumgänglich, um die Schadstoffe aus dem Boden zu entfernen. Wertvoller Lebensraum von hoher Qualität wird dabei beeinträchtigt. Diese Flächen werden zwar rekultiviert, jedoch wird es mehrere Jahrzehnte dauern bis sich diese Lebensräume wieder vollständig entwickelt haben. Um die ökologische Gesamtbilanz auszugleichen, müssen zusätzlich zu den Wiederherstellungsmassnahmen sowohl innerhalb des Sanierungsgebiets wie auch ausserhalb Ersatzmassnahmen zugunsten der Natur geleistet werden.

Standardisiertes Berechnungsverfahren

Zur Berechnung der Lebensraum-Bilanz der Altlastensanierung stützen sich die Expertinnen und Experten auf ein standardisiertes Verfahren, welches im Kanton Zürich bei allen Bauvorhaben eingesetzt wird. Damit wird der ökologische Wert des Ausgangszustands und des Zustands nach der Rekultivierung bestimmt. Ist der ökologische Wert des Ausgangszustands höher, müssen Ersatzmassnahmen geleistet werden. Im Fall der Sanierung der Jagschiessanlage Au kann ein grosser Teil der erforderlichen Massnahmen direkt im bzw. beim Sanierungsgebiet umgesetzt werden. Aktuell läuft die Suche nach den noch nötigen zusätzlichen Ersatzflächen ausserhalb des Projektgebiets.