Damit Jagdhund und Wildsau nicht aneinandergeraten

21.11.2018 - Medienmitteilung

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Bei der Jagd auf die sich immer mehr ausbreitenden Wildschweine leisten Jagdhunde gute Dienste. Damit sich Hunde und Wildschweine bei der Jagd nicht gegenseitig verletzen, müssen die Hunde den Umgang mit Wildschweinen erlernen können. Nun steht in einem Wald südlich von Elgg bald die dafür nötige Einrichtung zur Verfügung. Das so genannte «Schwarzwildgewöhnungsgatter» wird professionell konzipiert und geführt und von Tierschutz-Fachleuten beaufsichtigt.

In den letzten Jahren hat der Bestand an Wildschweinen, so genanntem Schwarzwild, im Schweizer Mittelland weiter zugenommen. Eine Regulierung des Wildschweinbestandes ist vordringlich, denn die Tiere richten grossen Schaden an landwirtschaftlichen Kulturen und immer mehr auch innerhalb von Wohnsiedlungen an. Die Jagd auf Wildschweine ist anspruchsvoll und aufwändig. Ohne die Unterstützung von Jagdhunden, die das Schwarzwild in ihren dichten Einständen aufstöbern, ist es nicht möglich, den Schwarzwildbestand ausreichend zu regulieren. Die Hunde leisten auch gute Dienste, wenn es darum geht, ein durch einen Verkehrsunfall verletztes Wildschwein zu finden, um es von seinen Leiden zu erlösen.  

Dem Hund und dem Wildschwein zuliebe

Zum Schutz der Jagdhunde, aber auch der Wildschweine, vor gegenseitigen Verletzungen müssen die Hunde an die «Schwarzkittel» gewöhnt werden und den nötigen Respekt vor den wehrhaften Tieren erlernen. Die eidgenössische Jagdverordnung verpflichtet die Kantone denn auch, für eine entsprechende Ausbildung und Prüfung der Hunde zu sorgen. Da die erforderliche Ausbildungsanlage in der Schweiz bislang fehlt, hat die Schweizerische Jagd- und Fischereiverwalterkonferenz JFK beschlossen, sich für die Einrichtung eines so genannten «Schwarzwildgewöhnungsgatters» einzusetzen. Im Rahmen einer intensiven Standortsuche konnte in Elgg/ZH ein geeignetes Waldstück gefunden werden.  

Gemeinde erteilt Baubewilligung und verpachtet Land

Die Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich hat daraufhin ein entsprechendes Projekt erarbeitet und im September 2017 ein Baugesuch dafür eingereicht, das anschliessend öffentlich aufgelegt wurde. Aufgrund der damals bevorstehenden Abstimmung über die kantonale Volksinitiative «Wildhüter statt Jäger» hat die Gemeinde Elgg das Verfahren in der Folge sistiert. Nachdem die Initiative im September 2018 klar verworfen wurde, hat die Gemeinde nun beschlossen, der Fischerei- und Jagdverwaltung das erforderliche Waldgrundstück zu verpachten und die Baubewilligung für das Gatter zu erteilen.  

Sorgfältige Angewöhnung

Angeleitet und kontrolliert wird die Ausbildung der Hunde durch eine erfahrene Fachperson. Die Angewöhnung des Hundes an das Schwarzwild erfolgt sehr sorgfältig und in mehreren Phasen, welche dem Temperament, Wesen und Ausbildungsstand des Hundes angepasst sind. Somit ist gewährleistet, dass die Ausbildung weder für die Hunde noch für die Wildschweine zu unzumutbaren Stresssituationen führt. Der Betrieb stützt sich auf die langjährigen Erfahrungen mit solchen Anlagen in Deutschland und Frankreich.  

Wildschweine aus Tierparks

Die Arbeiten an den Umzäunungen und den Schwarzwildunterständen sind für den Winter 2018/2019 geplant. Im Frühling sollen dann die Wildschweine einziehen, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Dabei wird es sich ausschliesslich um Tiere handeln, die bisher in Tierparks zuhause waren. Die schrittweise Aufnahme des Betriebs ist für den Sommer 2019 vorgesehen.

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Das Schwarzwildgewöhnungsgatter Heurüti in Elgg/ZH

Die Anlage, die in enger Absprache mit der Gemeinde geplant wurde, liegt ungefähr zwei Kilometer südlich des Dorfes Elgg, weit ab von grösseren Siedlungen, im Wald östlich des Weilers Heurüti. Bei Bau der Anlage sind keine grösseren waldbaulichen Eingriffe notwendig. Die weitere Bewirtschaftung des Waldes ist problemlos möglich. Das Gelände liegt am Rand des Waldes und ist von ausserhalb sowohl für den Unterhalt der Anlage als auch die tägliche Betreuung der Tiere gut erreichbar. Die Nutzer stellen Ihr Fahrzeug auf Parkplätzen ausserhalb des Waldes ab und erreichen den Eingang des Gatters in wenigen Minuten zu Fuss.

Die Betreuung der Wildschweine übernimmt der Leiter des angrenzenden landwirtschaftlichen Betriebs. Der Landwirt ist auch ausgebildeter Forstwart und Jäger und somit bestens auf die Aufgabe vorbereitet. Auf dem Hofareal des landwirtschaftlichen Betriebs entsteht eine von aussen zugängliche Toilette. Der Anmelde- und Warteraum sowie die nötigen Parkplätze werden auf dem Areal zur Verfügung gestellt.

Das Gatter, das sich über eine Fläche von rund 6 Hektaren erstreckt, ist von März bis Oktober und an zwei bis maximal fünf Tagen pro Woche und nur bei Tageslicht in Betrieb. Pro Tag werden in den vier Gatterabschnitten maximal 24 Hunde geschult. Eine Übung dauert nur wenige Minuten. Es werden demnach nicht mehr als fünf bis acht Personen mit ihren Hunden gleichzeitig die Anlage benutzen.

Gebaut wird die Anlage von der Baudirektion Kanton Zürich (Fischerei- und Jagdverwaltung), die auch Eigentümerin bleibt. Sie überträgt den Betrieb einem Verein. Ein Aufsichtsgremium überwacht den Betrieb. Ihm gehören das Veterinäramt des Kantons Zürich, die Standortgemeinde Elgg, das BAFU sowie weitere Verwaltungsfachleute und Spezialisten aus der ganzen Schweiz an.

Die Investitionskosten betragen rund 200'000 Franken, welche sich die Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich und die Schweizerische Jagd- und Fischereiverwalterkonferenz JFK teilen. Die Betriebskosten werden durch Mitgliederbeiträge und Benützungsgebühren gedeckt, der Betrieb ist also kostendeckend.

(Medienmitteilung der Baudirektion)

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